« Arbeiten und Bewerben in Japan | Home | Japan, die Visitenkarten und die dazu gehörende Zeremonie »
Japan und seine Wirtschaft
Von admin | 28.Juli 2009
Die Wirtschaft in Japan ist eine hocheffiziente industrialisierte freie Marktwirtschaft, die sich auf sehr gut ausgebildete und hoch motivierte Arbeitskräfte, eine enge Zusammenarbeit mit der japanischen Regierung und auf intensive Forschung vor allem im High-Tech-Sektor stützt. In den Bereichen Energie- und Nahrungsmittelversorgung ist die Wirtschaft in Japan auf den Import angewiesen, da das Land kaum über eigene Ressourcen verfügt. Nur etwa 25 % der gesamten Landesfläche sind bewohnbar, lediglich 15 % kultivierbar.
Industrie und Außenhandel sind das Fundament der Wirtschaft
Der Anteil der Landwirtschaft an Japans Wirtschaft geht seit Jahren immer weiter zurück. Angebaut werden in Japan vor allem Reis und Gemüse. Japan ist zudem in Sachen Fischerei weltweit führend. Innovation und Forschung sowie die Konzentration auf den asiatischen Markt bzw. den Weltmarkt sind für Japans Wirtschaft entscheidende Faktoren. Bedeutende Branchen sind Maschinen- und Automobilbau (Komatsu, Suzuki Motor, Toyota, Mitsubishi, Honda, Nissan), Elektronik und Technologie (Sony, Panasonic, Toshiba) sowie Chemie und Pharma (Mitsubishi Chemical, Sumitomo Chemical, Astellas Pharma, Daiichi Sankyo).
Japan und seine Wirtschaft in Krisenzeiten
Die Lage der Wirtschaft in Japan ist seit Ende 2007 komplizierter geworden. Auch wenn Japan noch immer Asiens führende Wirtschafts- und Technologiemacht ist und hinter den USA als zweitstärkste Wirtschaftsnation der Welt gilt, durchlebt das Land seit Ende der von 2002 bis 2007 anhaltenden Wachstumsphase eine Rezession. Im ersten Quartal des Jahres 2009 schrumpfte die Wirtschaft erstmals wieder so stark wie seit dem Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr. Durch Japans starke Orientierung auf den Export, sind Auswirkungen von Wirtschaftskrisen in Japan sehr stark zu spüren. Viele große japanische Unternehmen reagierten darauf mit Stellenabau, Produktionskürzungen und Kurzarbeit.
Investieren in Japan
Vieles spricht selbst in Krisenzeiten für ein Engagement in der Wirtschaft Japans: Das Rechtssystem in Japan funktioniert, das politische System ist stabil, geistiges Eigentum wird wirksam geschützt, und die Zahlungsmoral der japanischen Kunden ist im internationalen Vergleich hoch. Zudem gilt Japan als hervorragende Ausgangsbasis für Geschäfte in ganz Asien, da eine Tochterfirma mit Sitz in Japan bei Kunden in anderen asiatischen Ländern Vertrauen schafft. Das wohl wichtigste Argument für ein Engagement in Japans Wirtschaft ist jedoch, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt trotz wirtschaftlicher Probleme in den vergangenen Jahren noch immer ein chancenreicher und sehr lukrativer Markt ist. Japans Bevölkerung verfügt über eine hohe Kaufkraft, liebt Konsum und ist bereit, für besondere Produkte besonders viel Geld auszugeben. Gleichzeitig stehen Japaner neuen Produkten und Technologien wesentlich aufgeschlossener gegenüber als Europäer.
Deutsche Unternehmen haben die Vorteile in der japanischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren sehr gut genutzt, wie eine Studie der Unternehmensberatung „Roland Berger“ zeigt. Danach erzielten selbst in den wirtschaftlich schwierigen Jahren 2000 bis 2002 drei von vier deutschen Unternehmen auf dem japanischen Markt Vorsteuergewinne. Geholfen hat den deutschen Firmen dabei sicherlich auch das gute Image, das deutsche Produkte in Japan genießen. „Made in Germany“ gilt unter Japanern als Zeichen für innovative Lösungen, hohe Qualität, lange Lebensdauer und Zuverlässigkeit – all diese Produkteigenschaften haben bei den qualitätsbewussten Japanern einen sehr hohen Stellenwert.
Aller Anfang ist schwer – der Einstieg in Japans Wirtschaft
Bei allen Erfolgen deutscher Unternehmen sollte aber nicht übersehen werden, dass die japanische Wirtschaft auch sehr anspruchsvoll ist, und selbst große Konzerne wie Vodafone oder Burger King trotz gigantischer Startbudgets und hoher Marketingausgaben in Japan gescheitert sind. Die Herausforderungen in der Wirtschaft in Japan sind so vielfältig wie die Vorteile: Viele Unternehmen klagen beispielsweise immer noch über die dichte staatliche Regulierung und die Unmenge an Standards, die Produkte in Japan erfüllen müssen. Hinzu kommt, dass die Vertriebskanäle in einigen Branchen der Wirtschaft sehr komplex sind und oft über Zwischenhändler laufen, was die Gewinnmargen reduziert. Für ausländische Unternehmen ist es zudem nicht einfach, Zugang zu den geschlossenen Geschäftsnetzen zu erhalten, da sich japanische Unternehmen nur sehr zögerlich auf neue Partnerschaften einlassen – entweder aus Loyalität zu ihren alten Geschäftspartnern oder weil die Geschäftspartner de facto zum gleichen Konzern gehören.
In all diesen Bereichen der japanischen Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren allerdings viel getan. Die Regierung setzt beispielsweise in einigen Zweigen der Wirtschaft zunehmend auf Deregulierung, während sich Japans Unternehmen unter dem Druck der Globalisierung von traditionellen Geschäftspraktiken verabschieden. So konstatieren die Fachleute von Roland Berger, dass sich Firmen in Japan immer öfter von ihren vertrauten Geschäftspartner lösen und zu günstigeren Anbietern wechseln. Auch die direkte Belieferung unter Ausschaltung von Zwischenhändlern werde in Japans Wirtschaft zunehmend akzeptiert. Wie weit dieser Wandlungsprozess vorangeschritten ist, variiert von Branche zu Branche – je nachdem wie groß der Druck der internationalen Konkurrenz ist. In jedem Fall werden ausländische Unternehmen in vielen Zweigen der Wirtschaft immer noch auf Überreste dieser traditionellen Geschäftspraktiken stoßen, die den meisten Europäern wenig vertraut sind.
Anspruchsvolle Kunden in Japan
Eine weitere Herausforderung der japanischen Wirtschaft stellen die Kunden dar. Zwar gelten japanische Geschäftspartner als vergleichsweise loyal, aber bei den Konsumenten, die täglich durch Nippons riesige Einkaufsviertel strömen, sieht die Sache anders aus. Egal, ob jung oder alt: Die Menschen wollen ständig Neues – neue Produkte, neue Verpackungen, neue Namen, neuen Geschmack, neues Design. Und sie stellen hohe Ansprüche, denn Japaner erwarten gerade von teuren importierten Waren höchste Qualität, durchdachte Produkteigenschaften, einen hervorragenden Kundenservice und das Gefühl, ein Statussymbol gekauft zu haben. Um die hohen Anforderungen zu erfüllen, müssen die Waren und Dienstleistungen unter Umständen den Bedürfnissen in Japan angepasst werden. Lebensmittel werden beispielsweise in wesentlich kleineren Portionen verkauft als in Europa. Auch eine schrille, bunte Verpackung kann bei manchen Produkten auf die Kunden eher abschreckend wirken. Wer solche Eigenheiten ignoriert, wird auf dem japanischen Markt langfristig nicht Fuß fassen können, denn der Wettbewerb ist in den meisten Branchen der japanischen Wirtschaft hoch, schließlich sind viele japanische Unternehmen mit den Bedürfnissen ihrer Landsleute bestens vertraut und gleichzeitig – genau wie deutsche Unternehmen – hoch innovativ. Angesichts all dieser Herausforderungen ist es unerlässlich, dass Unternehmen den Markt vor dem Sprung nach Japan sehr genau untersuchen.
Weitere Informationen
Lesen Sie auch unsere Tipps zum Thema erfolgreich Bewerben in Japan!
Tipp
Detaillierte Informationen zum Thema Investieren in Japan finden Sie im Ratgeber “Leben und Arbeiten in Japan”. Infos und Bestelltung unter: www.auswandern-…
Bild © Greg Pollock – Fotolia.com
Tags: Arbeitskräfte, Business, Export, Import, Investieren in Japan, Technologie, Wirtschaft Japan, WirtschaftsmachtTopics: Arbeiten in Japan | Kein Kommentar »
