« | Home | »

Wissenswertes über die japanische Lebensart

Von admin | 18.Juli 2009

Die Verbeugung ist eine typische Geste in Japan

Die Verbeugung ist eine typische Geste in

In Japan spielt die zwischenmenschliche Harmonie eine herausragende Rolle. Aus Sorge diese zu stören, vermeiden viele direkte, offene Meinungsäußerungen. Dieses typische Verhaltensmuster ist auch als Trennung von „honne“ und „tatemae“ bekannt. „Honne“ bezeichnet die wahren Gefühle, während „tatemae“ für die Meinung steht, die man öffentlich ausdrückt. Um die Gefühle der Mitmenschen nicht zu verletzen und eine entspannte Atmosphäre zu bewahren, ist das tatemae im Alltag oft wichtiger als das honne. Man sollte daraus allerdings nicht schließen, dass andauernd zu Notlügen greifen. Die wahren Gefühle in Japan werden nur nicht so explizit ausgelebt wie im Westen. Kritik z.B. schlucken Japaner oft herunter oder formulieren sie sehr ausweichend, etwa indem zunächst Lob oder Zustimmung ausgedrückt werden. Eine typische Floskel lautet beispielsweise „sore mo ino desga“ – „Ja, das ist auch gut, aber…“. Auch Ablehnung drücken Japaner nie direkt aus. So wird man zum Beispiel Sätze wie „Sie haben unrecht“ oder „Nein, das ist falsch“ genauso wenig hören wie kleinliche Verbesserungen nach Fehlern, da ein solches bei dem Angesprochenen großes Unbehagen auslöst. Stattdessen sind Sätze üblich wie „so kamo shiremasenga, demo…“ – „Es könnte so sein, aber ….“ oder „sore wa chotto…“, was ungefähr so viel bedeutet wie „Sie haben ein bisschen recht, aber…“

Die Harmonie erhalten

Japanische Höflichkeitsstrategien sind darauf ausgerichtet, den allgegenwärtigen Zustand der Eintracht unbedingt zu bewahren. Hält man sich nicht an die Regeln, verliert man sein Gesicht, es herrscht Unordnung und Chaos statt Harmonie. Direkte Äußerungen wie „ich möchte etwas trinken“ sind genauso unangebracht wie spontane und unbeherrschte Handlungen. Ein höflicher Japaner wartet solange geduldig, bis er gefragt wird, ob er Durst hat. Angebotenes wird in Japan aus Höflichkeit grundsätzlich erst einmal abgelehnt. Da eine direkte Ablehnung aus japanischer Sicht aber wiederum hart klingt und somit den Gesprächspartner in Verlegenheit bringt, greift der Japaner zu den Äußerungen, welche die Europäer Ausreden nennen würden.

Ja und Nein in Japan

Ein direktes „Nein“ wird man in Japan also sehr selten hören, stattdessen in vielen Situationen „darüber sollten wir noch einmal nachdenken“ oder schlicht und einfach gar nichts. Indirektheit ist eine grundlegende Höflichkeitsstrategie des Japanischen.
Ganz anders verhält es sich mit einem „Ja“. Dieses Wort fällt unter japanischen Gesprächspartnern pausenlos. Doch auch ein „Ja“ ist nicht gleich ein „Ja“. Nicht unbedingt beantwortet es eine Frage positiv. Vielmehr bedeutet es „ich höre dir zu“. Es zeigt, dass man seinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit widmet.

Entschuldigung in Japan

Wahrscheinlich wundern sich europäische Gäste auch immer wieder, wie oft man sich im Japanischen entschuldigt. Doch auch hier liegt eine andere Bedeutung zu Grunde. Wird dem Japaner eine Tür aufgehalten so sagt er „Entschuldigung“, was soviel bedeutet wie: „Es tut mir leid, dass Du für mich Mühe und Zeit aufgewendet hast“. Semantisch entspricht das einem „Danke“ im Deutschen.

Die japanische Etikette

Im Alltag bemühen sich die meisten Japaner, möglichst viel Rücksicht auf ihre Mitmenschen zu nehmen: In der U-Bahn beispielsweise wird der Klingelton des Handys ausgestellt, nicht telefoniert und nur SMS bzw. E-Mails verschickt – das allerdings mit großer Leidenschaft. Haben Japaner eine Erkältung, tragen viele eine Maske, um andere nicht anzustecken. Unpünktlichkeit wird nicht gerne gesehen, genauso wie Essen und Trinken im Gehen. Ein Schluck aus der Wasserflasche ist im schwülen Sommer aber in Ordnung. Frauen sollten sich vor der Abreise schon mal darauf einstellen, dass „Ladies first“ in Japan unbekannt ist. In erster Linie ist die japanische Kultur sehr gastfreundlich und zum Glück im Umgang mit Ausländern ausgesprochen verständnisvoll. Wenn auch von einem fremdländischen Gast nicht erwartet wird, dass er sich mit den japanischen Gepflogenheiten auskennt, so gibt es doch einige Dinge, die man bei einem Aufenthalt in Japan in jedem Fall beachten sollte.

Straßenschuhe bleiben draussen

Betritt man in Japan eine Wohnung, ein Gasthaus oder einen Tempel, gehört es sich, die Straßenschuhe vorher auszuziehen. Für Gäste stehen zumeist Pantoffeln bereit. Wenn nicht, wird der Raum in Socken betreten. Besondere Pantoffeln gibt es für die Toilette. Diese muss man unbedingt bei Verlassen der Toilette wieder ausziehen.

Kein Schneuzen in der Öffentlichkeit

Während des Essens – wie eigentlich immer in der Öffentlichkeit – sollte man sich nicht laut die Nase putzen. Einige Japaner ziehen stattdessen die Nase hoch, was in manchen Etikette-Büchern als Zeichen der Selbstdisziplin gelobt wird. Von dem Geräusch sind viele Japaner – und vor allem Japanerinnen – aber auch nicht gerade begeistert. Daher empfiehlt es sich, zum Nase putzen auf die Toilette zu gehen oder möglichst lautlos zu schnäuzen. Benutzte Taschentücher werden in Japan nicht in die Hosentasche gesteckt, sondern sofort entsorgt.

Spontanbesuche sind tabu

Gar nicht gut kommen in Japan unangemeldete Spontan-Besuche an, man sollte daher auch bei Freunden nur mit Einladung und zudem mit Gastgeschenk vorbeischauen.

Verhalten im öffentlichen Bad

Das Gemeinschaftsbad ist aus dem der Japaner nicht wegzudenken. Auch hier gilt es, sich an die Regeln zu halten: Das Bad dient der Entspannung, nicht der Reinigung. Nur wer vorher gründlich geduscht hat, darf in das Gemeinschaftsbad steigen. Seifenschaum in der Badewanne ist tabu. Vorsicht: Badewasser in Japan gilt als besonders heiß.

Die Verbeugung

Allgemein bekannt ist im Westen, dass sich Japaner nicht die Hand geben, sondern verbeugen, etwa zur Begrüßung, beim Abschied oder um Dank und Respekt zu zeigen. Eine Verbeugung sollte man auf jeden Fall erwidern – mit einer Ausnahme: Den Mitarbeitern von Hotels, Restaurants und Geschäften, die sich vor Kunden verbeugen, muss man nur freundlich zunicken. Wie man sich verbeugt, hängt vom Anlass und dem Gegenüber ab.

Geschenke in Japan

Geschenke haben in Japan eine große Bedeutung und werden zu unzähligen Gelegenheiten überreicht. Auf Reisen z.B. schreiben Japaner keine Postkarten, sondern bringen Freunden und Vorgesetzten ein Souvenir aus der Ferne mit – meistens regionale Spezialitäten wie Süßigkeiten, Wein oder Schnaps. Diese Mitbringsel heißen in Japan o-miyage. Unter temiyage verstehen Japaner kleine Geschenke, mit denen man sich für eine Einladung bedankt. Gerne verschenkt werden von Gästen Kuchen, Wein oder Sake.
Zweimal im Jahr verfällt Japan geradezu in einen Geschenkerausch, dessen Ursprünge lange zurückliegen: Familien, die einen Todesfall zu beklagen hatten, erhielten früher entweder im Sommer oder im Winter ein Geschenk. Mittlerweile ist die Zielgruppe allerdings deutlich gewachsen. So verschicken Japaner zu den beiden Terminen Geschenke an Vorgesetze, Lehrer, Geschäftspartner und alle Personen, denen sie zu Dank verpflichtet sind. Die Geschenke im Sommer heißen o-chugen und werden im Juni und Juli überreicht. Die Geschenke zum Jahresende heißen o-seibo und sollten zwischen dem 1. und 20. Dezember beim Beschenkten eintreffen. Schon Wochen vor den beiden Terminen haben Supermärkte und Kaufhäuser unzählige Geschenke-Arrangements im Angebot. Beliebte Geschenke sind Lebensmittel, Wein und Haushaltsgeräte mit einem Wert von 3.000 Yen bis 10.000 Yen. Wie viel investiert wird, hängt von der Beziehung zum Beschenkten ab. Im Schnitt kosten die Geschenke 5.000 Yen. Weil Japaner oft mehrere Personen bedenken müssen, werden die Präsente meist nicht persönlich überreicht, sondern verschickt.

Bild: © Paylessimages Fotolia.com


Teilen Sie Ihr Interesse mit anderen:
  • Digg
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Live
  • Netvibes
  • Reddit
  • Simpy
  • Technorati
  • Twitter
  • Yahoo! Bookmarks
Tags: , , , , , ,

Topics: Japan | Kein Kommentar »

Tag Cloud

Kommentare

StartseiteImpressumHaftungsausschlussDatenschutz